Neunburg schreibt

Die zur Veröffentlichung freigegebenen Beiträge der Hobby-Autor/Innen der Kreativ-Aktion 2020/21 werden hier in lockerer Reihenfolge zum Nachlesen bereitgestellt.

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Von Miriam Schwarzhuber: „DER GEIST, DER DIE WELT RETTET“
(Märchen)

Eines Tages war Mama einkaufen gefahren und Lukas, Julines großer Bruder, in seinem Zimmer und schaute fern. Juline spielte in ihrem schönen türkisfarbenen Zimmer mit ihren Schleich-Pferden. Auf einmal hörte sie ein schauerliches Geräusch. Sie zuckte zusammen und schaute vorsichtig um. „Was passiert denn jetzt?“, dachte sie. „Huhu!“ „E-e-e-ein Geist“, wisperte Juline starr vor Schreck. Der Geist hatte ein weißes Tuch um seinen unsichtbaren Körper und einen roten, blutigen Mund. „Das ist ja der Geist aus meinem Albtraum von heute Nacht. Also muss er aus dem Wasserglas von der Nacht kommen“, flüsterte sie.

Sie spurtete vor lauter Angst aus dem Zimmer, aber der Geist stellte sich ihr in den Weg. „Hab keine Angst vor mir, ich bin ein ganz lieber Geist!“ erklärte er. Juline traute sich zu fragen: Wie heißt du?“. „Spuki! Und ich esse übrigens gerne leckere Kekse.“ Juline holte Plätzchen aus ihrer Schublade und fragte neugierig: „Was kannst du Besonderes?“ Spuki freute sich über die Kekse und verputzte sie schnell. Da fiel ihm ein, dass er eine Antwort geben musste. „Ich kann für jedes Kind drei Wünsche erfüllen, wenn es sehr nett zu mir ist. Und du warst besonders lieb zu mir.“

„Erfüllst Du mir jetzt etwa drei Wünsche?“, fragte Juline schnell. Das Mädchen überlegte, was es sich nur wünschen könnte. „Ha, ich hab´s! Ich wünsche mir, dass alle Menschen wieder gesund werden und das Corona-Virus endlich verschwindet!“ Spuki hüpfte vor Freude noch höher in die Luft, lachte, klatschte begeistert und jubelte: „Juhu, das ist meine Lieblingsspeise, ich esse sooooo gerne Viren!“

Sofort flog er los um alle davon aufzufressen. In nicht einmal einem Tag hatte er alle Viren verspeist und war pappsatt. Juline freute sich wahnsinnig darüber, dass sie wieder in die Schule und zu ihren Freunden konnte. Einige Tage später kam Spuki zurück und sagte: „Du hast noch zwei Wünsche frei, weil Du an alle Menschen gedacht hast.“ Da konnte sich Juline nicht mehr halten und wünschte sich einen Hasen und Reitstunden.

So ein Glück, dass der Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

°Anmerkung d. Red.: Die Verfasserin besucht die 3. Grundschulklasse und ist mit neun Jahren jüngste Teilnehmerin an der Kreativ-Aktion „Neunburg schreibt“ 2020/21.

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Von Andreas Ritter v. d. Aller (Pseudonym): „VOLLMOND“
(Gedicht)

Der volle Mond lädt ein zum Traum
schlaf wohl dort unter Orpheus‘ Baum.
Die Engel dich behutsam hüten
sie wiegen dich in Traumes Frieden.
Mag doch die Ruhe ewig währen
in jenen unbekannt Sphären.
Weckt dich der Sonne Strahl sanft auf
beginnt erneut des Lebens Lauf.
Nimm alles Glück von dieser Welt
es wurde nur für dich bestellt.
Geh´ seelig-wonnig in den Tag
das LEBEN ist’s was dich so mag!

°Jury-Urteil: „Über Traum, Schlaf, Nacht und Erwachen in den neuen Tag und über Lebensfreude; guter Rhythmus“. (Sabine Eva Rädisch)
°Anmerkung d. Red.: Der Verfasser ist mit 82 Lebensjahren ältester Teilnehmer an der Kreativ-Aktion „Neunburg schreibt“ 2020/21.

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Von Horst Meinelt: „DER WALDSTEINHAUER“
(Nachruf auf ein ausgestorbenes Handwerk)

Es mag wohl hundert Jahre her sein, als man noch in den östlichen Waldgebieten der Oberpfalz den hellen, rhythmischen Eisenklang von Hammer und Meißel hören konnte. Der Waldsteinhauer war es, der sich an einem der mächtigen Granitblöcke zu schaffen machte, um ihn zu Pflastersteinen, Tür- und Fensterstöcken zu zerlegen. Selten wog ein Steinblock, den man wegen seiner meist rundlichen Form als Wollsack bezeichnet, weniger als eine Tonne.
Kaum einer kann sich heute noch eine Vorstellung darüber machen, wie es ein Mann alleine schaffen konnte, einen mehr als zehn Tonnen schweren Steinblock zu spalten.
Dass dazu seine eigene Muskelkraft nicht ausreichen konnte, ist leicht verständlich – also musste er ein Hilfsmittel gebrauchen. Eine Anwendung von Dynamit oder Schiesspulver kam nicht in Frage. Das wäre für einen armen Steinhauer viel zu teuer gewesen. Stattdessen bediente er sich einer sehr alten Methode, bei der er die Kraft der Natur einsetzte. Er meißelte in den Granitblock in einer geraden Linie- in Abständen von ca. 10 Zentimeter- keilförmige Vertiefungen, die so bemessen waren, dass ein etwa 8 Zentimeter breiter Eichenholzkeil streng hinein passte. Die vorher gut getrockneten Holzkeile wurden in die ausgemeißelten Steinschlitze geschlagen und jeweils mit einem faustgroßen, nassen Hanfknäuel abgedeckt. Die Feuchtigkeit ließ die Holzkeile so anschwellen, dass deren Ausdehnungskraft ausreichte, um den Steinblock innerhalb weniger Stunden in zwei Teile zu sprengen.
Im Steinwald am Teufelstein bei Napfberg und im Regental bei Kreuth sind derartige Bearbeitungsspuren noch anzutreffen.
Das Leben eines Waldsteinhauers war hart und entbehrungsreich. Zu Reichtum ist keiner gekommen, karge Ernährung war die Regel. So kann man es aus einem 28 Strophen umfassenden Steinhauerlied herauslesen, das der bekannte Kunstmaler und Heimatforscher Georg Dorrer aus Neunburg vorm Wald in der Jahreszeitschrift „Die Oberpfalz“ 1922 aufschrieb.
Wenn man dem Liedertext Glauben schenken kann, so haben die Waldsteinhauer, trotz ihrer harten Arbeit und ihrer Armut ein zufriedenes Leben geführt. Von der Freiheit im Wald und dem Leben mit der Natur berichtet der Liedtext: von einem, der alle Vögel und jeden Wildsteig kennt, der auch manchmal von der „Gschraften“ (Geschraubte: eine in zwei Teile zerlegbare Flinte, um sie besser verstecken zu können) Gebrauch machte, um den eintönigen Speiseplan aufzubessern. Trübsinnigkeit hat der Waldsteinhauer scheinbar nicht gekannt, auch wenn er seinen Lohn, – seine Nick´l, wie er sie nannte – hart erarbeiten musste, wie es in der letzten Strophe des Liedes in Oberpfälzer Mundart heißt:
I`bi a Stoihauer
I´mouß mi hart plog´n
I´mouß meine Nick´l
Vom Stoi obaschlog´n

So sangen die Waldsteinhauer in der Geselligkeit eines Gasthauses oder auf einer Kirchweih ihre Lieder, Texte, die von ihrem Leben erzählten. Es waren Reime, die nur in ihren Köpfen existierten. Sie wären für die Nachwelt in Vergessenheit geraten, hätte sie ein Georg Dorrer nicht aufgeschrieben.

°Jury-Urteil: „Porträt eines ausgestorbenen Berufes mit detaillierten und anschaulichen Informationen, historischen Quellen und einer Strophe eines historischen ‚Steinhauerliedes‘, zitiert nach dem Chronisten Georg Dorrer“. (Sabine Eva Rädisch)

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Von Hans-Xaver Nenzac (Pseudonym): 2 MUNDART-GEDICHTE

Schleimer

Vorsichtig,
langsam und fast unbemerkt, a schleimige Spur.
Koina mog s ́.
Sie kumma über alles und schlotzn überall hi.
Sie zaing wahllos ernern Weg, ohne Ziel – bis wos fina.
Owa wenn ́s hoaß wird,
des ming ́s na niad,
na vazaing sa se.
Pass aaf,
dass d ́ niad draaf datschd oder drüber foahrst, sunst kraings a no
Profil!

Stellnwert

Stoina
moina
dass uns Boina goar niad geb ́n hot aaf da welt.
Drum daad niad oina vo de Stoina
um uns woina
bald ́s uns nimma gaab a mal.

°Jury-Urteil: „Themen Tod & Ewigkeit lautmalerisch, Spannung entsteht zwischen Titel und Inhalt und zwischen den Strophen, Aha-Moment am Ende“. (Sabine Eva Rädisch)
°Anmerkung d. Red.: Der Verfasser nahm am KVU-Workshop „Kreatives Schreiben“ im Rahmen des 8. Neunburger Kunstherbstes teil.

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Von Elena Zimmer: „UN CAFÉ“
(Kurzgeschichte)

Es war kalt. Dies war mein erster Eindruck von der Stadt der Lichter, der Liebe, der Mode und des Baguettes.
Der Wind blies mir in die Augen und meine Nase war ganz rot. Ich zog meinen Schal höher.
Der Kaffee, den ich mir geholt hatte, kostete mich die Ersparnisse eines ganzen Monats und er war nicht einmal so wie ich ihn gewollt hatte. Selbstverständlich hatte ich vergessen, dass das französische Wort café Espresso bedeutete. Mal wieder war ich vom Vokabelbuch der sechsten Klasse entäuscht worden. Den ganzen Nachtmittag war ich dagesessen und hatte versucht mir die Wörter dieser schrecklichen Sprache irgendwie zu merken, nur um am nächsten Tag herauszufinden, dass man es nicht v-o-i-t-u-r-e sondern voiture aussprach. Die unregelmäßigen Verben konnte ich rückwärts beten, dennoch half mir das nicht bei meinem Kaffeeproblem.
Ich hielt inne. Nein, ich würde mich nicht über die französische Sprache beschweren. Erstens, weil ich bereits allen gesagt hatte, dass ich die Sprache toll fand und zweitens, weil die Alternative mir noch weniger gebracht hätte. Ich dachte an meine Freunde, die sich mit Latein abgemüht hatten. Sie hätten wahrscheinlich nicht einmal einen Espresso bekommen, sondern einen Tritt, der sie im hohen Bogen aus der Stadt befördert hätte.
Es war nicht die Schuld meiner Lehrer, dass ich hier nur gerade so zurecht kam. Es war die Schuld der Franzosen. Ich dachte an all die netten Franzosen, denen ich begegnet war. Es war nicht die Schuld der Franzosen. Es war die Schuld der Pariser.
Pariser haben absolut keine Toleranz für die armen Schlucker, die eine halbe Ewigkeit gesparrt hatten, um ein Wochenende hier verbringen zu dürfen, und das verbargen sie auch nicht. Pariser verachteten alles und jeden, der nicht aus Paris stammte. Ich hätte eine reiche Schauspielerin aus Hollywood sein können, doch wenn ich meine Betonung falsch setzte würden sie auf mich herabsehen wie auf einen Alkoholiker in der Gosse.
Ich hatte mir mein Buch unter den Arm geklemmt und machte mich meiner Wege. Ich war bereits fünf Minuten zu spät und konnte nur hoffen, dass Xavier warten würde. Doch wem machte ich eigentlich etwas vor? Er war Franzose und ich würde zwanzig weiter Minuten auf ihn warten müssen.
Ich hatte ihn vor einigen Jahren kennengelernt und wir waren gute Freunde, dabei konnte ich gar nicht sagen weshalb. Es hatte sich damals beim Austausch so ergeben, dass wir beide keine Lust auf den Vortrag irgendeines Museumsführers hatten und uns witzige Geschichten über die Personen auf den Renaissance-Gemälden ausdachten.
Xavier war vor kurzem nach Paris gezogen und hatte mich eingeladen. Also hatte ich selbstverständlich zugesagt, bevor ich wusste, dass seine Wohnung zehn quadratmeter groß war und ich ein Hotel zahlen musste.
Ich fror, meine Haare waren kraus und ich hatte den Geschmack vom Espresso im Mund, als er endlich auftauchte. Er lächelte mich breit an. „Je t’ai acheté un américano.“ Ich konnte es kaum glauben. Er hatte sich daran erinnert, dass ich immer vergaß wie man hier richtig Kaffee bestellte. Die Franzosen setzten den Wert nunmal auf die kleinen Dinge des Lebens.
Ich liebte diese Stadt und die Art der Franzosen.

°Jury-Urteil: „Verbindet geschickt die innere Welt der Hauptfigur mit Betrachtungen über Paris und die französische Sprache, anhand einer Tasse Kaffee und einer Begegnung. Könnte der Anfang eines Romans sein…“ (Sabine Eva Rädisch)
°Anmerkung d. Red.: Die Verfasserin nahm am KVU-Workshop „Kreatives Schreiben“ im Rahmen des 8. Neunburger Kunstherbstes teil.

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Von Carolin Schmuck: 3 GEDICHTE

mutter

mit dem stolz und
trotz einer
herzoginwitwe
ohne hofstaat und
ohne weltvertrauen
auf dem kurzen weg in
die innere
verbannung

die großen schwingen

die großen schwingen
breit ich aus die arme
lass ich hängen
leere lässt sich nicht
umarmen aber ich
muss mich auch nicht
festhalten

uschi und bert

hier mit dir
wollt ich sitzen und
spotten über dein alter
deine hochfliegenden ideen
und unsere schwindende kraft
nun spottet nur noch
meine schwäche
muss allein alt werden

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Von Herbert Antes: „DAS MÄDCHEN UND DER FROSCH“
(Ein Märchen aus dem Schönseer Land)

Es war einmal ein armes Mädchen in Stadlern. An einem wunderschönen Frühlingstag wollte es zu Fuß von Stadlern nach Schönsee gehen, um dort seine Tante zu besuchen. Das Mädchen würde bald in das heiratsfähige Alter kommen und machte sich schon Gedanken um seine Zukunft. Nichts wünschte es sich sehnlicher, als einen jungen, ganz lieben, gut aussehenden und wohlhabenden Mann zu heiraten. Diesem schönen Gedanken hing es wieder nach, bis es nach einer kurzen Wegstrecke auf einmal „Platsch“ machte, das Mädchen aus seiner Gedankenwelt gerissen wurde und vor Schreck stehen blieb. Von einer Bergwiese kommend, dort wo im Winter viel Schnee liegt, war ein Frosch in eine Pfütze gesprungen.

Damals gab es nur einen holprigen Weg mit vielen Schlaglöchern, der von Fuhrwerken benutzt wurde und von Leuten, die ihre Besorgungen in den Nachbardörfern zu Fuß erledigen mussten.

Der Frosch war nicht groß und trug eine kleine Münze auf dem Kopf, kein Krönchen. Er sprach das Mädchen an: „Bitte erlöse mich. Ich bin ein ganz lieber gemeinnütziger Mensch, der in einen Frosch verwandelt wurde.“ Das Mädchen hob den Frosch hoch, setzte ihn auf eine Handfläche und schaute ihn sich genauer an. „Hübsch ist er ja nicht, aber immerhin. Vielleicht wird er doch eine gute Partie“ dachte es.

Auf einen Prinzen hoffte schon damals im Schönseer Land niemand mehr.

Das Mädchen war aufgeregt und so voller Hoffnung auf ein schöneres Leben, dass es nicht fragte, warum ein guter Mensch in einen Frosch verwandelt wurde. „Was muss ich machen, um dich zu erlösen?“ fragte es vielmehr. „Dafür musst du mich küssen“ sagte der Frosch. „Na ja. Das Übliche halt“ dachte das Mädchen und obwohl es sehr große Überwindung kostete, küsste es den Frosch.

Siehe da, tatsächlich verwandelte sich der Frosch in einen Menschen. Leider nicht in einen jungen, gut aussehenden Mann sondern in ein älteres Männlein von eher kleinerer, untersetzter Gestalt mit einem etwas breiten Mund. Was für eine schlimme Enttäuschung!

Jedoch: Auf dem Weg lagen einige Gold- und Silbermünzen und das Mädchen hoffte, Geld für ein besseres Leben zu bekommen. Es hatte sich noch nicht von seiner Überraschung erholt, da war das Männlein schon dabei, gierig die Münzen aufzusammeln. „Bitte, bitte teile mit mir. Ich habe dich doch erlöst“, rief es. Das Männlein stieß es jedoch so heftig zur Seite, dass es hinfiel und rief „Das ist mein Geld. Das ist die Aufwandsvergütung für meine Zeit als Frosch“, stopfte sich noch die letzten Münzen in die Taschen und verschwand im Wald Richtung Dietersdorf.

Das Mädchen kam bitterlich weinend und ganz traurig nach Hause. Es erzählte seinen Eltern von dem Vorkommnis. Obwohl sie es nicht glaubten, machten sie sich auf die Suche nach dem Männlein, um ihre Tochter trösten zu können. Vergebens! Es gab zwar Männer, auf die Beschreibung passte, aber wenn die Eltern erzählten, was sich zugetragen hatte, wurden sie nur ausgelacht.

Das Mädchen blieb todtraurig zu Hause und half beim Spinnen und Weben und auch sonst im Haushalt. Es wollte nach diesem schlimmen Ereignis von Männern und Fröschen nichts mehr wissen. Es blieb Jungfrau und ging schließlich in ein Kloster in einer fernen großen Stadt. Das Kloster war zwar sehr begütert, aber es hatte keine Wiesen, wo es Frösche gab. Dort lebte die junge Frau sehr fromm und äußerst genügsam bis an ihr Lebensende.

Soweit das Märchen, das von Generation zu Generation weitererzählt wurde. War es bloß eine Erzählung ohne einen wahren Kern, wie es bei Märchen normalerweise der Fall ist?
In diesem Fall möglicherweise nicht, denn auf der Bergwiese, wo der Frosch herkam, scheint ein böser Fluch zu liegen. Vor nicht langer Zeit wurde dort nämlich ein Skilift gebaut, vor allem mit Geld, das von Leuten im Schönseer Land eingesammelt wurde. Die Gesellschaft, die den Lift betrieb, war jedoch bald pleite und die Geldgeber ärmer. Bis heute sind alle Bemühungen gescheitert, dem Liftgelände Leben einzuhauchen. Es wächst langsam zu wie das Schloss von Dornröschen.

°Jury-Urteil: „Variation des Froschkönigs, ohne Happy End aber mit Gesellschaftskritik“. (Sabine Eva Rädisch)

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Von Andreas Ebnet: „D‘ OBERPFALZ“
(Mundartgedicht)

In d´ Oberpfalz han mir d` hoim
wou zwischn Földa, Wold und Wiesn
Dörfa liegn
wouse Ortsschaftn eng an Berg oischmign.
Döi Bergrückn bewaldet han
mit Föichtn, Bouchan Tannabam.

Wou vül Bachla wern manch groußa Fluss
wou durt und dou a Anöid is
d`Bon der is stoine
und vu manchn Felsn gröißt a Burgruine.

Wou de oine oda anda schmucke alte Stodt
ihre Sehenswürdigkeiten hot
Seen glitzan im Sunnaschei
d` Wold lat zum schpatzierngei ei.

Af manche Berg Burgn schdenga
mit houche Türm und dickn Mauern
niat zu bezwinga
weit umme kannst vu dou om sehgn
erholn kannsde göist dou schpaziern.

Wouma in an Wirtshaus gmürtle zamsitzn kann
wouma a Muse macht und an Gsang
wou s Lem nu lemswert is
für Jung und Old
dou han mir dahoim
im schöina Oberpfälzawold.

Von Andreas Ebnet: „BLALLA TANZEN“ (HERBST DES LEBENS)
(Mundartgedicht)

Blalla tanzn af n Wech d`hie
d` Wind treibts voa sich her
kolt is woarn
min Summa iß nix mehr.

D´ Wold leicht in bunte Foam
d` Földa döi wern laa
Kinda loua Drachn steign
Hirscht doud öiza saa.

Doch döin scha kürza wern
d` Nacht is bal dou
in d´ Fröih hots an Reif schaa gem
d´ Nebl hüllt als zou.

Koi Vochal doust mehr singa höarn
koi Bluman meia blöiht
schöi langsam klopft d` Winta aa
so is der Lauf der Zeit.

Döi Zeit döi rennt so schnöll d`hie
du moinst es woar erscht Mai
schaa falln Blalla vu de Bam oa
bist schaust is Joahr vubei.

D` Kindazeit moinst is erscht gwen
d` Jugnd – du woarst voll Tatendrang
öitz doust schaa zitrig wern
der Herbst des Lebens
der fangt an.

°Jury-Urteil: „Über die Natur im Herbst und Winter; Analogie zum Vergehen des Lebens poetisch, findet greifbare Bilder und wirkt authentisch“. (Sabine Eva Rädisch)

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Von Led Zepp (Pseudonym): „EIN STILLES JAHR“
(Ein Erfahrungsbericht)

„Mei, heuer bleibt die Musik wohl auf der Strecke“, posaunte der Nachbar über den Zaun als er sieht, wie ich in ungewohntem Outfit (keine Lederhose, kein Trachtenhemd, keine Instrumentenkoffer und Notentaschen) in mein Auto steige.
Ungewohnt, so komme auch ich mir seit Anfang März vor. In einer Zeit, in der es normalerweise gilt, Konzerte vorzubereiten, die Musikproben für die Sommersaison zu planen und letzte Absprachen mit Veranstaltern zu treffen. nichts… Stille. Kein Handyklingeln, keine Fragen der Musiker, wann die nächste Probe beginnt, nichts. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt, an Probenarbeit ist nicht zu denken.
Ideen kommen und gehen, Pläne zur Probenarbeit entstehen und werden doch wieder verworfen. Die letzte Veranstaltung des Jahres, an der wir als musikalischer Part geplant waren, wird abgesagt.
Die Wochenenden wandeln sich. Zeit für die Liebsten, Zeit für den Garten und Zeit für lang aufgeschobene Aufräumaktionen. Die Noten archiviert, die Instrumente geputzt und geölt, das Schlagzeug gestimmt und endlich die Notenmappen sortiert. Gerüstet für den Restart.
Erste Lockerungen werden bekanntgegeben. Für die Blasmusik leider kein Lichtblick. Zu weit die Abstände, zu groß die Verantwortung. Der Musik-Urlaub geht weiter. Solokonzerte und Overdub-Aufnahmen im Keller, Videodrehs im heimischen Garten. Die Begeisterung für die Musik ist ungebrochen.
Und wieder werden Lockerungen bekannt. Reduzierte Abstände? Probenarbeit möglich? Ein Griff zum Smartphone und die erste Probe nach über 3 Monaten ist fix. Hoffen, dass das Wetter und die Nachbarn mitspielen. Eine erste OpenAir Probe im Carport. Man merkt die ungezähmte Spielfreude der begeisterten Musikanten. Geschichten gibt es nicht viel zu erzählen, Musik soll erklingen. Spontaner Applaus über den Gartenzaun des Nachbarn, Musikwünsche per WhatsApp und hoffende Nachrichten auf baldige Wiederholung des Nachbarschaftskonzertes.
Der nächste Termin steht fest. Die Besetzung steht und der Carport steht bereit. Die Nachbarschaft ist informiert und lädt zu kleinen Familienfeiern in die eigenen Gärten. Der erste Marsch ertönt, der lang ersehnte Applaus ist uns gewiss.
Auch, wenn die Lederhose noch im Schrank hängt, so ist doch vieles klar geworden…
Gute Nachbarschaft ist etwas schönes, ein Carport ist für Musikproben besser geeignet als eine geschlossene Garage, Freundschaften stärken sich durch eine Krise und der Ansatz der Blasmusikanten wird nicht besser, wenn man nicht übt.

°Jury-Urteil: „Rückschau auf die Pandemie-Situation aus Perspektive eines Musikers im August 2020: nachdenklich, reflektiert und hoffnungsvoll“. (Sabine Eva Rädisch)
°Anmerkung d. Red.: Der Verfasser nahm am KVU-Workshop „Kreatives Schreiben“ im Rahmen des 8. Neunburger Kunstherbstes teil.

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