Kammermusikalische Sternstunde

Das Guadignini-Trio zog das Publikum im Historischen Schlosssaal Neunburg erneut in seinen Bann. Foto: K. Stumpfi, KVU
Den Gastauftritt beim 12. Neunburger Kunstherbst vor drei Jahren noch in bester Erinnerung, kehrte das international renommierte Guadignini-Trio am Sonntag, 11. Oktober auf Einladung der Freunde der Kunst Oberviechtach in den Historischen Schlosssaal zurück. Um es gleich vorwegzunehmen, es war ein triumphales Comeback dieses litauisch-rumänischen-belgischen Ensembles und es ist keine Übertreibung, von einer Sternstunde der Kammermusik zu sprechen! Die beim Konzert anwesenden beiden Vorsitzenden des Kunstvereins Unverdorben freuten sich über eine signifikante Aufwertung des laufenden Neunburger Kunstherbstes.Die an Perfektion heranreichende Wiedergabe der drei Trio-Kompositionen von Joseph Haydn („Zigeunertrio“), Ludwig van Beethoven („Geistertrio“) und Antonin Dvorak (g-moll-Trio) legt eine hohe Messlatte für die künstlerische Bewertung aller kammermusikalischen Darbietungen, welche in „Neunburgs schönster Stube“ hinkünftig zu Gehör gebracht werden.
Alina Armonas-Tambrea brachte ihre künstlerische Vielfalt während ihrer über 20 Jahre andauernden Konzerttätigkeit schon als Solistin, Kammermusikerin und Konzertmeisterin zum Ausdruck. In Rumänien während der Ceaucescu-Ära geboren, kam sie als Jugendliche nach Nordrhein-Westfalen. Im zarten Alter von fünf Jahren begann sie das Violinspiel von ihren Eltern zu erlernen, setzte ihre Studien an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf sowie an der Hochschule für Musik in Köln fort. Bereits mit 14 Jahren gab sie ihr Konzertdebüt. Zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben begleiteten ihren künstlerischen Werdegang. Aufgrund des ihr verliehenen Bundespreises bei „Jugend musiziert“ nahm Alina Tambrea auf Einladung des Deutschen Musikrates hin am Bundesjugendorchester teil. Nach ihrer Funktion als Konzertmeisterin des Staatstheaters Darmstadt folgte sie 2010 der Berufung zur Dozentin für Violine und Kammermusik an die Akademie für Tonkunst. Ihr Kammermusik-Ensemble Guadignini-Trio ist nach der von ihr gespielten Violine benannt. Ihr Ehemann, der in Litauen geborene Cellist Edvardas Armonas konzertierte bereits auf vielen interntionalen Podien in Europa, Asien und in den USA. Zahlreiche Meisterkurse ergänzten seine Ausbildung, so dass er 2016 die künstlerische Leitung der Kammerkonzerte Darmstadt übernehmen konnte. Seine CD mit Werken von Brahms, Schumann und Franck, die in Kooperation mit dem Litauischen Rundfunk und dem Litauischen Kulturministeriums erschien, stieß auf höchstes Lob in Fachkreisen. Darüber hinaus kann Edvardas Armonas als Manager des Guadignini-Trios auf eine 20-jährge erfolgreiche Betätigung im Bereich der Konzertvermittlung und -organisation zurückblicken.
Der in Antwerpen geborene Yannick Van de Velde widmete sih schon früh der Musik und zählt inzwischen zu den führenden Musikern Belgiens. Der Pianist nahm an zahlreichen internationalen Wettbewerben teil und gewann mehr als 20 Preise, darunter der ihm im Brüsseler Rathaus verliehene Chopin-Preis. Meisterkurse u. a. bei Paul Badura-Skoda, Menahem Pressler und Rudolf Buchbinder ergänzten seine Ausbildung. Heute unterrichtet Van de Velde an der Akademie für Tonkuinst in Darmstadt und am Conservatoire Grand Duchee in Luxemburg. Das im 14. Neunburger Kunstherbst präsentierte Abendprogramm stellte das Guadigni-Trio unter das Motto „Zwischen Licht und Schatten“. Dabei stellten die drei Instrumentalisten den ihnen vorauseilenden Ruf, Repräsentanten von ausgereifter und brillanter Kammermusik von internationalem Niveau zu sein, ein weiteres Mal ihre Zuhörerschaft beeindruckend unter Beweis. Die ihnen zugewiesenen Attribute empfindsam und variabel in der Tongebung, achtsam und eloquent im Zusammenspiel zu sein, münzten Armonas-Tambrea, Armonas und Van de Velde auch beim zweiten Neunburger Gastspiel in eine 90-minütige Kammermusik-Gala um.Im ersten Teil wurde Haydns Trio G-Dur Hob XB:25 als Referenzstück für kantabel-beschwingte Wiener Klassik (und hier auch politcally correct als „Zigeuner-Trio“ firmierend) dem Frühromantiker Beethoven gegenüber gestellt. Als dieser offenbart er sich insbesondere im Largo asssai ed esspressivo des Mittelsatzes im so genannten „Geistertrio“ D-Dur op. 70.1 – entstand es doch unmittelbar nach der Symphonie Nr. 6 „Pastorale“ und dem Klavierkonzert Nr. 5 Es Dur („Kaiserkonzert“). Nach der Pause wurde die Wiedergabe von Dvoraks viersätzigem Trio g-moll für Violine, Violoncello und Klavier op. 26 zu einem dahin wirbelnden, mitreissenden Glanzstück böhmischen Musikantentums. Nach soviel überbordender spätromanischer Emotionaliät, wirkte die Zugabe aus Mendelssohns „Lieder ohne Worte“ wie ein konteplativer Tranquilizer auf ein zuletzt begeistert applaudierendes Publikum. Fazit: Europäische Spitzenklasse adelt den Neunburger Kunstherbst! Aufrichtiger und herzlicher Dank an die Freunde der Kunst Oberviechtach, die es möglich machten.
