Tragende Säule kulturellen Lebens

Der Kunstverein Unverdorben e. V. in Neunburg vorm Wald hat sich seit seiner offiziellen Gründung im Sommer 2011 zu einer tragenden Säule der regionalen Kulturszene in der Oberpfalz entwickelt. Mit der Förderung von bildender Kunst, Musik und Völkerverständigung (insbesondere mit dem Nachbarland Tschechien) schaffte es der Verein, die historische Achse Nürnberg–Prag auch kulturell neu zu beleben. Eine angemessene Würdigung dieses enormen ehrenamtlichen Engagements – der Neunburger Kunstverein organisierte in zehn Jahren 40 grenzüberschreitende Kulturprojekte – stellte die Verleihung des Kulturpreises des Bezirks Oberpfalz im Jahr 2024 dar.
Chronologischer Überblick
Die Vereinsgeschichte ist geprägt von kreativem Tatendrang, dem Mut zur Zwischennutzung von Leerständen und einem stetig wachsenden Veranstaltungsnetzwerk.
* Die Keimzelle
2011
Der offizielle Startschuss fiel nach einer erfolgreichen, zeitlich befristeten Phase als lockere „Neunburger Kunst-Initiative Unverdorben“. Am 6. Juli 2011 mündete diese Initiative schließlich in die offizielle Vereinsgründung des eingetragenen Vereins (e. V.). Als erster Vorsitzender fungierte Martin Schmid (2011 bis 2015)
* Erster Sitz & Stadtmarketingpreis
2011–2013
Als erstes Domizil diente der Leerstand des ehemaligen „Hirschenwirts“ in der Hauptstraße 57. Die kreative Wiederbelebung dieses historischen Gebäudes mitten in der Altstadt erregte landesweit Aufsehen: Der Freistaat Bayern zeichnete das Projekt mit dem Bayerischen Stadtmarketingpreis aus. Die Einweihung der neu errichteten regionalen Veranstaltungs-Location Schwarzachtalhalle am 14. Juli 2011 mit einer Aufführung des sinfonischen Zyklus „Ma Vlast“ (Mein Vaterland) von Bedrich Smetana durch die Smetana Philharmoniker Prag gab das Startsignal für eine Ausweitung der Vereinsaktivitäten bis hin zur Planung von Großveranstaltungen in der Pfalzgrafenstadt.
* Umzug & Geburt des „Kunstherbstes“
2013
Nach dem Verkauf des Hirschenwirts zog der Verein in das städtische „Altmann-Haus“ (Im Berg 7) um. Gleichzeitig wurde die Initiative „Neunburger Kunstherbst“ ins Leben gerufen – ein mehrwöchiges, spartenübergreifendes Kulturfestival, das seither jährlich das herbstliche Kulturleben prägt. Als Programm-Koordinator fungiert von 2013 bis in die Gegenwart Karl Stumpfi, ehemaliger Tageszeitungsredakteur und städtischer Kulturbeauftragter sowie aktueller 2. Vorsitzender des Kunstvereins Unverdorben. Als nächste 1. Vorsitzende des Kunstvereins amtierte von 2015 bis 2018 Beate Seifert. Sie legte diese Funktion nach ihrem Wegzug aus Neunburg vorm Wald nieder.
2017
Aus Anlass des Stadtjubiläums „1000 Jahre Neunburg vorm Wald“ stemmte der Kunstverein sein bisher umfangreichstes und bedeutendsten Kulturprojekt, gefördert durch den Bayerischen Kulturfonds: Die „Tage der Bayerischen Philharmonie“ vom 30. 9. bis 3. 10. 2017 mit 85 Orchestermusikern aus 27 Ländern unter Leitung von Chefdirigent Mark Mast. Einstudiert wurden u. a. Mozarts „Jupiter“-Symphonie Nr. 41 C-Dur und Bruckners Symphonie Nr. 4 Es-Dur „Romantische“. Dieses singuläre Kunstmusik-Ereignis in der Schwarzachtalhalle wurde auf einer Live-CD dokumentiert.
2018
Nachdem das zweite Kunstquartier „Altmannhaus“ wegen Abbruchs zwecks Rathaus-Erweiterung vom Verein geräumt worden war, konnte dieser Räumlichkeiten des Mehrgenerationenhauses Alte Fronfeste als quasi-Kunstquartier Nr. 3 für Vereinszwecke nutzen. Es dient alljährlich als Quartier der Internationalen Kunstausstellung AHOJ im Neunburger Kunstherbst. Die ehemalige Lagerhalle auf dem alten Frankbräu-Gelände erfüllt heute eine Depotfunktion für Inventar und Mobilar des Kunstvereins.
* 10 Jahre Kunstverein & Jubiläumskunstherbst
2021–2022
Im Jahr 2021 bzw. verzögert durch die Corona-Pandemie in der Saison 2022 feierte der Verein sein großes Doppeljubiläum: 10 Jahre Kunstverein Unverdorben und der 10. Neunburger Kunstherbst. Zum runden Geburtstag bot die Neunburger Klassik-Gala mit Werken von Brahms und Dvořák ein absolutes Highlight in der Schwarzachtalhalle. Es gastierte die Philharmonie Hradec Kralove (Königgrätz). Erstmalig wurde auch ein „Jugendbonus“ eingeführt, um jüngere Menschen für klassische Konzerte zu begeistern.
* Etablierung als regionales Kulturzentrum
2025–2026
Unter der bewährten Führung von Peter Wunder (1. Vorsitzender ab 2018 bis heute) und Karl Stumpfi (2. Vorsitzender) setzt der Verein seine Arbeit kontinuierlich fort. Mit neuen Formaten wie dem Bayerisch-Böhmischen Ukulele-Tag, Ausstellungen/Kunstaktionen im In- und Ausland und neuen Vereinsdepots bleibt der Kunstverein der kreative Motor Neunburgs.
*Namenspatron: Wer war Peter Unverdorben?
Der Name des Kunstvereins geht auf eine historische (und teils legendenumwobene) Persönlichkeit aus der Neunburger Stadtgeschichte zurück:
> Peter Unverdorben war ein mittelalterlicher Minnesänger und Ritter im 14. Jahrhundert. Der Sage nach galt er als feinsinniger Mann, der für die Musik und das gesungene Wort lebte. Weil er jedoch die falsche Dame – angeblich die Gattin des Pfalzgrafen – unverblümt in seinen Liedern besang, fiel er in Ungnade und wurde im Turm des Schiltenhelm in Neunburgs Stadtmauer eingekerkert. Dort verfasste er noch das „Todeslied des Peter Unverdorben“, eine in spät-mittelhochdeutscher Sprache verfasste Dichtung, welche in die deutsche Literaturgeschichte einging und heute in der Landesbibliothek Karlsruhe aufbewahrt wird.
> Für den Kunstverein symbolisiert sein Name bis heute den Mut, die Leidenschaft und die unbändige Kraft der freien Kunst.
Das bayerisch-böhmische Band
Der Verein versteht sich nicht nur als lokaler Kulturveranstalter, sondern explizit als Brückenbauer. Die satzungsgemäßen Ziele umfassen:
* Grenzüberschreitender Austausch: Die Partnerschaft mit tschechischen Künstlern und Kulturzentren zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausstellungsreihen (z. B. die Reihe Ahoj).
* Belebung des Stadtraums: Durch die Nutzung von historischen Gebäuden wie dem Altmann-Haus, der Alten Fronfeste oder der profanierten Spitalkirche verbindet der Verein Denkmalschutz mit zeitgenössischer Kunst.
* Spartenvielfalt: Ob Autorenlesungen, klassische Konzerte, moderne Jazz-Sessions, Kabarett oder Theater – der Kunstverein vermeidet Berührungsängste zwischen Hochkultur und populärer Unterhaltung.

