KVU-Mitgründer Günter Schmid (87) verstorben – ein Nachruf

Vollblutmusiker tritt für immer ab

Günter Schmid und sein Akkordeon waren für den Neunburger Kunstverein in den Gründerjahren unverzichtbar. Die Duo-Abende mit Rezitator Karl Stumpfi (Foto oben) entwickelten sich peu à peu zu den heute viel gefragten Musikalischen Lesungen der Vier Unverdorbenen, zu denen bald auch Gitarrist Klaus Götze und Sänger/Bassist Jürgen Zach stießen (Aufnahme unten). Fotos: Alfred Grassmann

Heute erreichte den Neunburger Kunstverein Unverdorben die traurige Nachricht vom Ableben seines Gründungsmitglieds Günter Schmid. Über der Todesanzeige steht das Nietzsche-Zitat „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“. Es nimmt unmittelbaren Bezug auf die große Leidenschaft des pensionierten Oberlehrers, denn er war ein Vollblutmusikant im besten Sinne des Wortes. Als solcher erlangte er überregionalen Bekanntheitsgrad als Gruppenmitglied der „Schwandorfer Stadtstreicher“, mit denen er über Jahrzehnte hinweg große Erfolge feiern konnte. Die Wurzeln dieses Homo musicus finden sich im elterlichen Café Schmid, ein Neunburger Traditionslokal der 50er, 60er und 70er-Jahre. Dort spielte der junge Günter mit Kameraden schon zum Tanztee auf…

Nach Gründung des Kunstvereins Unverdorben 2011 mit seinem Sohn Martin als Initiator war Günter Schmid sozusagen musikalische Keimzelle eines Kleinkunst-Ensembles, das wenig später unter dem Namen „Die Vier Unverdorbenen“ auftreten sollte. Gemeinsam mit dem Vereinsmitgründer Karl Stumpfi als Vorleser übernahm Schmid mit dem Akkordeon den Musik-Part bei den ersten Duo-Abenden. Sie bereicherten die im Monats-Takt im Kunstquartier „Hirschenwirt“ stattfindenden Blauen Montage.

Der Amberger Klaus Götze war an einem dieser musikalischen Lesungen vor überschaubarem Zuhörerkreis anwesend – spontan holte er seine Gitarre und verlängerte den Abend mit Günter Schmid zu einer Art „Jam-Session“. Sänger und Bassist Jürgen Zach, ebenfalls seit der Stunde Null beim Kunstverein dabei, erweiterte die kleine Besetzung zum Quartett. Die Vier Unverdorbenen zogen mit dem Blauen Montag in das Altstadt-Wirtshaus „Zur Goldenen Gans“ um und debütierten im ersten Neunburger Kunstherbst 2013 mit der satirischen Lesung & Musik „Denk ich an Deutschland…“ Auch beim zweiten Programm „Mit freudigem Geifern“ – Deutsche Satiren und Humoresken – 2014 trug die Play-List des Abends erkennbar Günter Schmids Handschrift. Nach begeisterten Publikums-Reaktionen folgten bald Wiederaufnahmen in der Alten Seilerei und im Kloster Ensdorf.

Altersbedingt beendete der Musiker 2015 sein Engagement im Neunburger Kleinkunst-Ensemble. Das Akkordeon spielte fortan der Waldmünchner Franz Schöberl. Bei Konzertveranstaltungen in der Schwarzachtalhalle war Günter Schmid noch in den Folgejahren oft in den Zuhörerreihen zu sehen, zuletzt saß er schon im Rollstuhl. Am vergangenen Samstag ist der 87-Jährige nach längerer Krankheit in Schwandorf gestorben.

Die Ur-Formation des Kleinkunst-Ensembles „Die Vier Unverdorbenen“ von rechts: Karl Stumpfi, Günter Schmid, Klaus Götze und Jürgen Zach. Foto: Ralf Gohlke, MZ
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