
Tänzerisches Feuer vom „Carmen“-Vorspiel bis „Tico-Tico“-Finale
Mit spanischen und lateinamerikanischen Rhythmen bescherte das Ostbayerische Jugendsinfonieorchester der 13. Neunburger Kunstherbstsaison beim sinfonischen Gastspiel „OJO goes Latin“ einen Bilderbuchstart. Opernouvertüren, Instrumentalkonzert und Tanzsuiten von Komponisten wie Rodrigo, de Falla, Marquez, Sheldon und Piazzolla, die in der Pfalzgrafenstadt zum ersten Mal auf Programmzettel auftauchten, zogen das Publikum in der leider nicht ausverkauften Schwarzachtalhalle schnell in ihren Bann. Dementsprechend glich der Schlussapplaus nach knapp 120 Minuten orchestraler Leidenschaft einem Vulkan-Ausbruch!
„Es passiert nicht jeden Tag, dass über 60 Musikerinnen und Musiker aus sieben Ländern auf dieser Bühne musizieren.“ Mit dieser Aussage hatte Dirigent Desar Sulejmani absolut recht. Das Ostbayerische Jugendsinfonieorchester (OJO), bestehend aus jungen Musikern im Alter zwischen 14 und 27 Jahren aus dem bayerischen und überregionalen Raum, setzte dank der Kooperation mit dem Westbalkan-Youth-Symphonic-Orchestra unter dem Konzerttitel „OJO goes Latin“ besondere, hochkarätige Akzente. Das fulminante Opening mit bekannten „Ohrwürmern“ aus den beiden „Carmen“-Suiten von Georges Bizet, die Habanera, das Auftrittslied des Toreros und der Zigeunertanz, riss die rund 200 Gäste gleich von Anfang an mit und entfachte deren Begeisterung für das internationale 68-köpfige Ensemble (darunter junge Musiker aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Slowenien, Montegro, Kosovo und Albanien).

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Eine Erstaufführung in Neunburg dürfte das Concierto de Aranjuez mit Gitarrensolist Raimundo Luco gewesen sein, das von Joaquin Rodrigo 1939 als Konzert für klassische Solo-Gitarre und Orchester geschrieben wurde. Mit diesem Stück wurde die Gitarre als vollwertiges Soloinstrument im Konzertsaal etabliert. Was der junge, herausragende Gitarrist mit seinem Instrument darbot, ließ dem Publikum den Atem stocken. Raimundo Luco schloss sein Studium an der Päpstlichen Katholischen Universität von Chile im Jahr 2021 mit höchster Auszeichnung ab, gewann Preise an der Gitarre und tourte 2023 als Duo durch Europa. Seit 2024 studiert er die klassische Gitarre im Master an der Hochschule für Musik in Stuttgart. Das von ihm gespielte Stück fand Einzug in viele Flamenco- und Jazz-Interpretationen. Da das Publikum mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen reagierte, setzte der junge Gitarrist noch spontan zwei Zugaben drauf.
„Liebeszauber“ und „Cubanische Tänze“
Nach der Pause wurden die Gäste auf eine musikalische Reise voller spanischer und lateinamerikanischer Rhythmen und Melodien mitgenommen, von Manuel de Falla, Robert Sheldon, Astor Piazzolla und Arturo Marquez, die Dirigent Desar Sulejmani ankündigte. Der Orchesterchef lebt seit 27 Jahren in Deutschland und trat bereits in vielen europäischen Ländern, in Asien und Südafrika als Konzertpianist und Dirigent auf. Seit 2018 steht er dem OJO als Dirigent vor und ermöglicht den jungen Musikerinnen und Musikern einen ganz neuen Zugang zur Orchestermusik und zu klassischen Meisterwerken. Nicht fehlen durfte bei diesem Konzert die Tango-Oper von Piazzolla, „Maria de Buenos Aires“, in der die Geschichte des Tangos anhand des Lebens von Maria dargestellt wird sowie „Danzas Cubanas“ von Robert Sheldon mit tanzähnlichen Teilen der afro-kubanischen Inselbewohner.
Mit Riesenapplaus, stehenden Ovationen, großer Begeisterung und Worten wie „phänomenal“, „großartig“ und „einmalig“ wurde das außergewöhnliche Konzert gewürdigt, an das sich natürlich Zugaben anschlossen, das brasilianische Samba-Bravourstück „Tico Tico“ und nochmals das „Carmen“-Vorspiel. Fazit: Besser konnte der Startschuss für die 13. Saison des Neunburger Kunstherbsts nicht sein, waren sich die Vorsitzenden Peter Wunder und Klassik-Beauftragter Karl Stumpfi einig. Sie bedankten sich bei dem großartigen Musikensemble und luden zu den nächsten Veranstaltungen des Kunstvereins Unverdorben im Rahmen des 13. Neunburger Kunstherbsts ein.
ELFRIEDE WEISS, Der Neue Tag

MEDIEN-ECHO
Bericht in der Mittelbayerischen Zeitung, Kreisausgabe SAD, vom Dienstag, 16. September 2025:

Bericht in der Zeitung „Der Neue Tag“, Kreisausgabe SAD, vom Dienstag, 16. September 2025:

